Authentisch leben: Wenn du nicht weißt, wo es hingehen soll

Mir hat mal Jemand gesagt: ,,Ich kenne niemanden wie dich, der so sehr danach strebt, immer mehr er selbst zu werden. Jedes mal, wenn ich dich treffe, bist du etwas mehr David, einfach ein Stückchen mehr authentisch.’’

Diese Worte begleiten mich noch heute.

Und zwar nicht nur weil ich mich gerne an Komplimenten aus der Vergangenheit aufgeile. 

Irgendwie bringen sie mein Leben (und vielleicht sogar auch deins) auf den Punkt.

Ab und zu, hole diese Worte zurück in mein Gedächtnis. Das ist meistens, wenn ich mal wieder von Zweifeln getrieben mein ganzes Lebens in Frage stelle. 

Dann versuche ich mich daran zu erinnern, dass ich, auch wenn ich mal wieder in Ungewissheit lebe, immer Fortschritt mache. Ein Schritt näher zu dem, der ich wirklich bin. 

,,Selbst ich jetzt im Dunklen tappe,’’ versuche ich mich selber zu überzeugen, ,,werde ich auch diesen Aspekt meines Lebens irgendwann rückwirkend verstehen.’’

Besonders in Zeiten von Chaos oder scheinbarem Versagen, ist dieses Sich-Erinnern nicht nur hilfreich, sondern unabdinglich.

Manchmal schaffen es nur die Worte meines Freundes, den Ansturm meiner Zweifel in Schach zu halten.

Suchen und Zweifeln

,,Wie dumm ist es, dass ich das, was ich mir über so einen langen Zeitraum aufgebaut habe, einfach hinter mir lassen will?’’

,,Ich war doch schon viel weiter. Und jetzt stelle ich auf einmal alles in Frage…’’

,,Kann ich nicht einmal für längere Zeit ohne Zweifel bei Etwas bleiben?’’

Vielleicht führst du ja auch diese Art von Selbstgesprächen. 

Erkennst du dich wieder?

Eine der größten Frustrationen im Leben ist es oft, wenn du nicht genau weiß, warum du tust, was du tust (oder nicht tust, was du tun solltest).

Besonders wenn rational eigentlich alles so offensichtlich ist.

  • Ist es nicht einfacher, eine schlechte Beziehung zu beenden als eine, bei der ,,eigentlich” alles perfekt ist?
  • Ist es nicht leichter, deinen Job zu kündigen, um dich mit deinen Träumen zu beschäftigen, wenn du total ausgebrannt bist und einfach nichts mehr geht?
  • Ist es nicht komfortabler, eine Freundschaft zu beenden, wenn ein Kumpel dir seit Jahren Geld schuldet, als wenn du dich so fühlst, als hält er dich irgendwie davon ab, du selbst zu sein?

Alles ist einfacher, wenn es klare, gesellschaftliche akzeptierte Gründe gibt. Solche, mit denen du deine Entscheidungen vor dir selbst und vor Anderen motivieren kannst.

,,…denn sie wissen nicht, was sie tun”

Deine wahrgenommene Kontrolle über dein Leben steht in direkter proportion zu der Klarheit deiner Gedanken und den daraus resultierenden Handlungen.

Aber nicht immer wird dir dieser Luxus gegeben.

Oft weißt du nicht genau, warum du in eine bestimmte Richtung strebst. 

Oft weißt du nicht, warum du eine Person attraktiv findest (oder nicht mehr). 

Es ist auch nicht immer deutlich, wo jetzt dieses komische Gefühl herkommt, dass dich dazu drängt, in eine neue Stadt zu ziehen.

Ist das jetzt deine Intuition, die da spricht? Oder läufst du (mal wieder) Gefahr, dich von blindem Hedonismus leiten zu lassen. 

Je weniger Klarheit du über deine inneren Vorgänge hast, desto konfuser erscheint dir dein Leben. 

In diesen Situationen kann es wertvoll sein, sich daran zu erinnern, auf welchem Weg du dich eigentlich befindest.

Du bist auf dem Weg zu dir Selbst. 

Die Reise zu dir selbst

Auch in Phasen von totaler Verwirrung sammelst du Informationen, die dir dabei helfen, zu werden, wer du bist.

Selbst dann kommst du dir täglich selbst ein Stückchen näher.

Es gibt keine Anleitung dafür, du zu sein.

Versteh mich nicht falsch.

Fehlentscheidungen existieren wirklich. Es gibt jede Menge Ablenkungen, die dich total von deinem idealen Lebensweg abbringen.

Und viele deiner Entscheidungen entsetzen die Leute um dich herum

Aber es ist nicht so, als ob du immer die Wahl hättest…

Du lebst so gut du kannst.

Es gibt keine Anleitung dafür, du zu sein.

Schließlich bist du die erste Person in der Weltgeschichte die versucht, du zu werden.

Ist es dann nicht akzeptabel, dass du nicht immer genau weiß, wohin dich dein Weg führt?

Macht es nicht Sinn, dass du oft stolperst oder rückwärts den Hang wieder herunterrutscht?

Du erklimmst gerade einen Berg, den noch niemand zuvor von Oben gesehen hat.

Es gibt keine Karte für dein Leben. Es gibt auch keine gut befahrene Straße, die im Winter gestreut wird. 

Du begibst dich alleine in die Wildnis.

Wenn du Glück hast, dann begegnen die ein paar Menschen, die mit einer ähnlichen Umgebung vertraut sind.

Aber auch sie kennen nicht genau deinen Wald.

Du bist dein eigener Reiseleiter

Niemand hat Ahnung von den zahllosen Schluchten voller Dornengestrüpp; den endlosen Weiten, die von Stürmen heimgesucht werden; den tiefen Gewässern, unter deren Oberfläche gierige Monster warten.

Es gibt keine geführte Tour durch das Gebirge deines Lebens.

Dir bleibt also nur ein Ausweg. 

Du musst dich an dem orientieren, was du bereits kennst.

Dies ist natürlich keine Entschuldigung dafür, nicht aktiv nach mehr Informationen zu Suchen.

Auf deiner Reise musst du so viel über die Welt lernen wie möglich, so viele Menschen um Rat fragen, wie es nur geht. 

Du musst lernen, die Wetterlage deines Geistes einzuschätzen—jeden Tag aufs Neue. 

Es ist unabdinglich, dass du deine individuellen Tendenzen zur Irrationalität erkennst, dich mit deinem Schatten bekannt machst, dir selber misstraust und gleichzeitig vertraust–je nach Situation.

Klarheit über die richtigen Entscheidungen ist ein Luxus, der dir bis ins Alter verwehrt bleibt.

Aber Weisheit erlangst du erst dann, wenn dein Körper nicht mehr viel von der nötigen Energie übrig hat, um all die richtigen Dinge zu tun, die dir zuvor noch versteckt blieben. 

Das ist der Lauf des Lebens.

Es ist unabdinglich, dass du deine individuellen Tendenzen zur Irrationalität erkennst, dich mit deinem Schatten bekannt machst, dir selber misstraust und gleichzeitig vertraust, wenn es darauf ankommt.

Je früher du akzeptierst, dass ein großer Teil deines Lebens darin besteht, herauszufinden, was für dich das Richtige ist, desto besser. 

Diese Einsicht spart dir viel Zeit und Leid.

Warum es okay ist, es nicht genau zu wissen

Du musst nicht jetzt wissen, wo genau du in fünf Jahren sein willst.  

Natürlich wäre das hilfreich…

Aber die meisten Menschen haben keinen Plan.

Deswegen musst du mit dem arbeiten, was du bereits zu deiner Verfügung hast.

Du musst mit dem anfangen, was du schon weißt. 

  • Wenn du es jetzt magst zu schreiben (und das schon jahrelang der Fall war), dann ist das ein guter Anhaltspunkt. Die Chancen stehen gut, dass du auch noch in ein paar Jahren gerne schreibst.
  • Wenn du schon immer ein Interesse an Computern hattest, dann ist es sicherlich nicht die schlechteste Entscheidung, programmieren zu lernen. Wer weiß, was in ein paar Jahren daraus wird.
  • Wenn du vor Kurzem verstanden hast, dass du es hasst, in Büros zu arbeiten, dann kannst du bereits jetzt den ersten Schritt aus dem Büro machen… 

Du musst auch noch nicht wissen, in welchem Nicht-Bürojob du in 5 Jahren arbeiten willst. 

Du weißt schließlich zumindest schon einmal, dass du nicht in einem Büro sein wirst.

Sobald du dich entscheidest dich nach Alternativen umzuschauen, eröffnet sich dir ein zuvor unbekanntes Universum. 

Diese Einsicht ist der Anfang.

Erst dann kannst du damit beginnen, deine Gedanken und Handlungen dementsprechend zu orientieren.

,,Keine Eile, keine Pause.”

Das ist ein hilfreicher Satz, den du dir auf die Stirn tätowieren solltest (in Spiegelschrift).

Besonders wenn du jemand bist, der sich die Verantwortung aufgeladen haben, etwas Außerordentliches erreichen zu wollen.

Die Idee ist einfach: Du musst dich nicht hustend und schnaubend durchs Leben kämpfen. 

Oft reicht es, sich konstant, ohne Pause und über viele Jahre vorwärts zu bewegen.

Durchhaltevermögen an sich verhilft dir zu 95 Prozent deines zukünftigen Erfolges.

Aber was, wenn du noch nicht einmal annähernd weißt, wie dein Leben in fünf Jahren aussehen soll? 

Ahnungslosigkeit ist doch kein Anhaltspunkt!

Aber jede Reise beginnt irgendwo…

Der Anfang von Ende

Du hast also keine Ahnung von irgendetwas…

Okay.

Du weißt nicht, wer du sein willst, oder sein kannst.

Aber gibt es nicht etwas, dass du gerade gerne tust? 

Gibt es nicht bereits jetzt Tätigkeiten oder Lebensstile, die dich mehr ansprechen als Andere?

  • Bist du lieber alleine als mit anderen Menschen?
  • Ließt du gerne?
  • Magst du Kochen?
  • Faszinieren dich Schauspieler, Künstler und Performer?
  • Ist dir Geld wichtig?

Wenn du dein Präferenzen im Jetzt betrachtest, öffnet sich ein Portal in die Zukunft. 

Was du bereits kennst ist ein guter Anfang.

Zweifeln oder abstumpfen

Zweifeln und aus einer Unsicherheit heraus zu wählen, ist unangenehm.

Zu hoffen, dass du dich für das Richtige entschieden hast, ist unangenehm.

Aber gefährlicher ist es, aus Angst gar nichts zu tun.

Wenn du das machst, dann treffen Andere irgendwann deine Entscheidungen für dich.

Pausieren um zu reflektieren ist eine Tugend–im Gegensatz zum ewigen Zögern.

Aber das Schlimmste, was du machen kannst, ist es, in Torschlusspanik zu verfallen.

Wenn du das nächstbeste Studium, den stabilen Arbeitsplatz oder deine Nachbarin als Partner wählst, damit du endlich diese schrecklichen Zweifel loswirst, tust du dir selbst kein Gefallen.

Im Augenblick denkst du, die richtige Entscheidung zu treffen. (Der Weg des geringsten Widerstandes gleicht oft trügerisch dem, was deinen Intuition als richtig befindet!)

Aber tatsächlich setzt du gerade einen Deckel auf das Potential deines Lebens. Du füllst es mit Lügen und trügerischem Komfort.

Du meinst, dass du den sicheren Weg gehst, den Weg zum einfachen Glück.

Und vielleicht bist du einer der wenigen Menschen, für die diese Rechnung aufgeht.

Aber vielleicht bewegt du dich gerade unwiderruflich weg dir selbst.

Hinein in den Stumpfsinn. Weil du dir nie selber zugehört hast. Weil du Scheinerfolg über Authentizität wählst. Weil du dich in diesem Augenblick selbst belügst und betrügst.

Der Weg zu dir selbst ist niemals der einfache Weg.

Die Reise zu dir selbst, ist die Schwierigste, auf die du dich jemals begeben hast.