Wege zum Glück: Mehr Erreichen oder weniger Wollen?

Wir könnten sagen, dass es genau zwei Wege gibt, glücklicher zu werden.

Diese Wege könnten nicht unterschiedlicher sein. 

Tatsächlich führen sie in entgegengesetzte Richtungen.

Die Suche nach Mehr

Wenn du im Westen aufgewachsen bist, dann hast du dich wahrscheinlich bereits an einen Weg gewöhnt: Die ewige Suche nach mehr. 

In diesem Fall, geht Glück in deiner Vorstellung mit dem Versuch einher, im Leben mehr von dem zu bekommen, was verspricht, dich glücklicher zu machen.

Die Suche nach Weniger

Aber vielleicht hat deine Familie asketische Werte an dich weitergegeben. 

Oder du hast dich selbst schon einige Zeit mit östlicher Weisheit beschäftigt. 

Dann weißt du, dass es natürlich auch einen anderen Weg zum Glück gibt: Weniger von dem, was dich unglücklich macht.

Auch wenn diese beiden Wege zum Glück sich stark unterscheiden, gibt es einen Mittelweg. 

Der Mittelweg zum Glück

Es ist möglich, gleichzeitig nach mehr zu streben und weniger zu wollen. 

In diesem Artikel erkläre ich dir, warum genau das die beste Methode ist, wenn du dir langfristige Zufriedenheit in deinem Leben wünscht.

Wenn du allerdings nicht lernst, diese beiden Wege zu vereinbaren, riskierst du, dass du nicht so viel Glück erlebst, wie du es dir wünscht.

Wenn du wissen willst, was die beiden Wege mit deinem Wohlbefinden zu tun haben, ließ weiter…

Warum ,,Mehr” dich SPÄTER glücklich macht

Wollen macht dich mit sofortiger Wirkung verletzlich.

Sobald du akzeptierst, dass es da draußen einen Zielzustand gibt, von dem du derzeit weit entfernt bist, öffnest du die Tür für Unzufriedenheit.

Wenn du Nichts willst, dann kannst du auch nicht unzufrieden sein.

Der Blick in die Zukunft ist jedoch gleichzeitig auch ein Blick auf das eigene Defizit in der Gegenwart. 

Du akzeptierst, dass du noch nicht da bist, wo du sein könntest.

Plötzlich wird es notwendig, etwas zu tun, damit du dahin kommst, wo dich das vermeintlich größere Glück erwartet.

Psychologisch ist es deswegen logisch, dass du auf einmal negative Emotionen empfindest, die zuvor nicht da waren. 

Sobald du akzeptierst, dass es da draußen einen Zielzustand gibt, von dem du derzeit weit entfernt bist, öffnest du die Tür für Unzufriedenheit.

Diese Emotionen sind das natürliche Resultat davon, dass du nicht da bist, wo du gerne sein würdest. 

Da ist eine Inkongruenz zwischen deinem Leben und deinem Potential für die Zukunft.

Wenn du deine Ziele später tatsächlich erreichst, kannst du deinen höheren Lebensstandard genießen.

Dein Glück kommt also verspätet.

Warum ,,Weniger” dich JETZT glücklich macht

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch den Weg von Weniger.

Wenn du dich von Dingen lossagst, die dir zuvor wichtig waren, wird dein Leben einfacher.

Wenn du nicht mehr darauf hinarbeitet, viel Geld zu verdienen, dann macht es dir auch nichts mehr aus, dass du jetzt wenig Geld hast.

Je weniger Kleidung, interessantes Essen oder kostspielige Unterhaltung du brauchst, desto leichter wird es für dich, mit deinem derzeitigen Leben glücklich zu sein.

Dann ist es plötzlich genug, ein Dach über dem Kopf und einen vollen Kühlschrank zu haben. 

Auch dieser Weg funktioniert außerordentlich gut, wenn du dir mehr Glück im Leben wünscht.

Und das Beste ist: du spürst unmittelbar den Effekt.

Der Weg zum Glück: Mehr UND Weniger

Ein Problem kommt erst auf, wenn wir beide Wege zum Glück vereinen wollen. Auf der Oberfläche handelt es sich schließlich um Gegensätze.

Du kannst doch nicht gleichzeitig mehr und weniger vom Leben wollen, oder?

Doch kannst du. Aber das erfordert kognitive Flexibilität.

Ein Baum kann nur in Proportion zu seinen Wurzeln in die Höhe wachsen. Die Wurzeln sind deine Fähigkeit zum Akzeptanz. Die Höhe des Baumes ist dein Streben. 

Und warum sollte man überhaupt beiden Wegen folgen?

Ist es nicht einfacher, sich für einen zu entscheiden?

Es gibt sehr gute Gründe, das Streben des Westens mit der Weisheit des Ostens zu verbinden. Zumindest, wenn du langfristig glücklich sein willst.

Nur zu streben funktioniert nicht, wie uns das Burnout und die Mid-Life-Crisis deutlich vor Augen geführt haben. 

Ein Baum kann nur in Proportion zu seinen Wurzeln in die Höhe wachsen. 

Die Wurzeln sind deine Fähigkeit zur Akzeptanz. Die Höhe des Baumes ist dein Streben. 

Du brauchst die innere Ruhe, die nur durch ein tiefes Verständnis für die Unbeständigkeit der Welt erlernt werden kann. 

Nur dann kannst du überhaupt langfristig dein Streben und die daraus resultierenden Früchte genießen.

Aber wenn du dich komplett einigelst und nur den Weg des geringsten Widerstands gehst, dann hast du ein anderes, vielleicht sogar größeres Problem. 

Es ist schwierig, achtsam zu sein, wenn dein Leben nicht wirklich angenehm ist.

(Das gilt auch, wenn du dir mit Eckhart Tolle’s Büchern das Gehirn wäscht.)

Die älteren Teile deines Gehirn, über die du wenig Kontrolle hast, wissen genau, wo du in deinem Leben stehst.

Mehr macht dein Leben leichter

Wenn du genug Geld auf dem Konto hast, um zwei Jahre nicht zu arbeiten, dann wird es dir leichter fallen, im Jetzt zu Leben.

Spätestens nach etwas Achtsamskeitstraining wirst du dir deiner beneidenswerten Lebenssituation bewusst.

Auf der anderen Seite ist es sehr schwierig, kurzfristig deinen Lebensstandard zu erhöhen. (Besonders wenn du dich von allem Weltlichen losgesagt hast und Geld als die Wurzel alles Bösen abtust.)

Und selbst wenn du es irgendwann vom Einsiedler zum ehrgeizigen Macher schaffst, dauert es Jahre, bis sich dein Leben objektiv verbessert.

Deswegen ist es so wichtig, dass du beide Wege zum Glück verfolgst. Und zwar am Besten von Anfang an. 

Zeit für Mindfulness ist immer. Sogar während du die Karriereleiter hinaufkletterst. 

Aber deine Zeit für weltlichen Erfolg ist begrenzt. Besonders wenn du alle deine Ressourcen nur auf deine Fähigkeit zur Achtsamkeit konzentrierst.

Praxis: Der Weg durch die Mitte

Hier sind ein paar Tipps, dir dir dabei helfen, da beste aus beiden Wegen zum Glück herauszuholen.

1) Sage ja zum Weltlichen

Erfolg existiert in der objektiven Welt. Er ist wertfrei aber fundamental gut für dein Wohlbefinden.

Unabhängig von deinem Achtsamkeitspraxis macht Erfolg dein Leben besser.

2) Stelle sicher, dass du dein Konzept von Erfolg nicht blind wählst

Es ist sehr viel leichter, achtsam zu leben, wenn du von dem, was du tust, erfüllt bist.

Deswegen reden ja gerade alle von ,,Leidenschaft”.

Finde eine Arbeit, die du nicht komplett abstoßend findest.

3) Lerne Achtsamkeit. Und zwar so früh wie möglich.

Sogar der hektischste Tag erlaubt ein paar tiefe Atemzüge und das Erneuern deiner Verbindung zur Gegenwart.

Auch zwischen deinen Sätzen im Fitnessstudio hast du Zeit, in dich zu gehen.

Selbst während zu am Computer arbeitest, kannst du entweder tief in deinen Bauch hinein atmen oder wie erstickt dasitzen.

Je früher du lernst, Achtsamkeit in dein Leben zu integrieren, desto mehr kommst du in den Genuss von Erfolg ohne seine Schattenseiten.

4) Wenn es dir möglich ist, gehe ,,durch die Mitte”

Mache es dir zur Gewohnheit, den Tag mit einem Achtsamkeits-Ritual zu beginnen und zu beenden.

Finde jene Momente in deinem Tag, in denen du dein Streben für kurze Zeit unterbrechen kannst, um wieder im Jetzt anzukommen.

Der Trick ist es, zu lernen, mühelos zwischen den Beiden Modi hin und her zu springen.

Je besser du darin wirst, desto mehr wächst dein Potential langfristig glücklicher zu werden.

Vermeide die Extreme

Viele Leute pendeln ihr ganzes Leben lang zwischen den zwei Extremen: übertriebenes Streben und dann der desperate Versuche, sich zu Erholen.

Aber damit machst du dir es nur unnötig schwer.

Durch die Mitte zu gehen ist nämlich einfacher, als du denkst. 

Hier sind ein paar Werkzeuge, die dir dabei helfen, den Weg der Mitte zu gehen.

– Bestandsaufnahme

Evaluiere deine derzeitige Situation im Leben.

  • Ist sie primär durch Streben oder durch Lossagen zustande gekommen?
  • Was ist dein ,,brainwashing”?
  • Kletterst du gerade blind die Karriereleiter hoch oder ist dein Leben das Resultat von zu vielen Büchern über Mindfulness?

Zu viele Leute schieben spirituelle Gründe vor, um sich nicht wirklich bemühen zu müssen, ihr Leben zu verbessern. 

Es ist sehr viel leichter, drei Mal die Woche zum Yoga zu gehen und jeden Abend einen grünen Tee zu trinken, als sich in Interaktion mit der Welt zu verwirklichen.

Es ist wichtig, dass du dir vor Augen führst, wo du dich gerade befindest. 

Schaust du zu viel auf die innere Welt, oder bist du komplett verloren in der Oberflächlichkeit?

– Gleichgewicht schaffen

Stelle dir selber die Frage, was du machen könntest, um mehr Gleichgewicht zu schaffen. 

Solltest du einfach diese Pilgerreise machen, die du dir schon lange vorgestellt hast? 

Macht es dir Angst, alles stehen und liegen zu lassen, um ins Innere zu schauen?

Vielleicht musst du einsehen, dass du bei all deiner Mindfulness komplett isoliert lebst und nur du selbst von deiner Achtsamkeit profitierst.

Wenn dir der Gedanke, deine Seifenblase zu verlassen, Angst macht, dann solltest du genau das tun.

Überhaupt solltest du einmal ausprobieren, wie das exakte Gegenteil deiner Komfortzone aussieht.

Wenn du dich zu sehr auf das Weltliche konzentrierst, schau mal in dein Inneres.

Wenn du nur mit Yogis, abhängst, überleg dir mal, ob du dich vielleicht zu sehr zurückziehst.

– Wiederstände verstehen

Du weißt, dass du auf der richtigen Spur bist, wenn du auf innere Widerstände stößt.

Der Weg, der dir mehr Angst macht, ist wahrscheinlich auch der, den du bis jetzt vernachlässigt hast. 

Wenn du einfach kein interesse hast, dann gibt es auf einem Weg auch nichts zu holen.

Aber wenn du auf Angst stößt, gräbst du am besten weiter. Angst ist ein Gefühl, dass auf Energie hindeutet.

Mein Weg

Ich war jahrelang eher in Richtung meines Inneren orientiert. Dies ist als Introvertierter meine natürliche Komfortzone. 

Während andere Leute riesige Probleme damit haben, ihr Inneres zu konfrontieren, ist das für mich Alltagsgeschäft. 

Ich weiß ziemlich viele unangenehme Dinge über mich selbst. Eines dieser Dinge ist, dass ich über lange Zeit die äußere Welt vernachlässigt habe. 

Ich habe mir eine innere Welt aufgebaut, in der ich vermeintlich endloses Potential besitze.

Der Beweis? 

Es gibt keinen Beweis. Ich habe einfach irgendwann damit begonnen, an diesen Fantasie zu glauben.

Deswegen ist es für mich der richtige Weg, meine eingebildeten Fähigkeiten endlich einmal in der Welt zu erproben. 

Da ist viel Angst, aber die Fantasiewelt muss gehen.

Welchen Weg vernachlässigst du gerade in deinem Leben?

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